Schwimmfähigkeit unserer Grundschulkinder besorgniserregend

Rund 1/3 unserer Kinder können am Ende der Grundschulzeit nicht schwimmen. Je nach Umfrage schwanken die Zahlen zwischen sogar 15 und 50 Prozent. Im Lehrplan für die Grundschulen ist allerdings festgeschrieben, dass alle Kinder am Ende der Grundschulzeit "Schwimmen können sollen". Dieser Zustand ist meines Erachtens unhaltbar. Genauso unhaltbar ist es auch, dass die Landesregierung noch nicht einmal belastbare Zahlen über die Schwimmfähigkeit unserer Kinder vorlegen kann.

 

Ich halte es aber für unabdingbar zu wissen, wie viele Kinder am Ende der Grundschulzeit in Nordrhein-Westfalen tatsächlich schwimmen können. Nur so können wir Fehler im Unterricht erkennen und nachhaltig beheben. Wenn der Staat eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe an sich zieht, dann ist er meiner Meinung nach in der Pflicht diese auch konsequent umzusetzen.

 

Dies fängt bei einer realistischen Definition des Begriffs „Schwimmfähigkeit“ an, umfasst selbstverständlich eine Überprüfung der Ergebnisse sowie eine wissenschaftliche Begleitung des gesamten Prozesses. Während die Kompetenzerwartung im Lehrplan das Schwimmen von 25 Metern bereits als ausreichend erachtet wird, sprechen Experten eher von acht Bahnen am Stück oder dem bekannten Bronze-Schwimmabzeichen. Diese Unterschiede führen im Ergebnis dann zu den extremen Schwankungen in den Umfrageergebnissen.

 

Das Land definiert das Ziel, dass jedes Kind am Ende der Grundschulzeit schwimmen können soll, stiehlt sich anschließend konsequent aus der Verantwortung und lässt die Kommunen und Grundschulen vor Ort mit der Umsetzung alleine. Ob und wie das Ziel erreicht wird oder werden kann, interessiert offensichtlich nicht. Anders lässt es sich nicht erklären, dass die Landesregierung weder verlässliche Zahlen über die Schwimmfähigkeit unserer Kinder liefern kann, noch weiß, ob alle Grundschulen in Nordrhein-Westfalen überhaupt einen praktikablen Zugang zu einem Lehrschwimmbecken haben.

Auf die Frage, warum unsere Kinder immer seltener schwimmen können, gibt es viele Antworten. Fehlende Zugänge zu Schwimmhallen, fehlendes Fachpersonal, mangelnde Qualifikation der Lehrkräfte oder kulturelle Hintergründe. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir aktuell nicht in der Lage sind, eine verlässliche und belastbare Antwort auf diese Frage zu geben. Es fehlen schlicht die notwendigen Informationen.

 

Wir fordern daher eine Erhebung der Ergebnisse der Schwimmfähigkeit unserer Kinder am Ende der Grundschulzeit, eine zentrale Erfassung und Auswertung unter wissenschaftlicher Begleitung. Wenn das Schwimmen-Können zum Bildungsauftrag der Grundschulen gehören soll, müssen wir endlich die Grundlagen schaffen, die Ursachen für den Rückgang der Schwimmfähigkeit überhaupt identifizieren und anschließend lösen zu können.