Ist eSport eine Sportart?

eSport soll von der Politik als Sport anerkannt werden, zumindest, wenn es nach dem Willen der Piraten geht. Für die Piraten ist dies offenbar so selbtverständlich, dass auf eine fundierte Beratung im Fachausschuss verzichtet und der Antrag direkt im Plenum zur Abstimmung gestellt wurde. Wir als FDP-Landtagsfraktion konnten dem Antrag nicht zustimmen. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Warum ist Schach ein Sport und eSport nicht? Auf diese, vermeintlich einfache Frage, wird die Diskussion um eine Ausweitung des Sportbegriffs häufig reduziert. An dieser Frage wird aber auch die Komplexität der Thematik deutlich.

 

Was ist Sport? Im Sportwissenschaftlichen Lexikon heißt es dazu: „Eine präzise oder gar eindeutige begriffliche Abgrenzung lässt sich […] nicht vornehmen. Was im Allgemeinen unter Sport verstanden wird, ist weniger eine Frage wissenschaftlicher Dimensionsanalysen, sondern wird weit mehr vom alltagstheoretischen Gebrauch sowie von den historisch gewachsenen und tradierten Einbindungen in soziale, ökonomische, politische und rechtliche Gegebenheiten bestimmt.“ (Röthig/Prohl, 2006). Wir sehen, ganz so einfach lässt sich die Frage nicht beantworten. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat in seiner Aufnahmeordnung klare Kriterien und Anforderungen an die Sportfachverbände formuliert. Es bedarf einer eigenen, sportartbestimmenden motorischen Aktivität, deren Ausübung Selbstzweck der Betätigung sein muss. Weiterhin muss die Sportart ethische Werte wie Chancengleichheit und Fairplay durch ein Regelsystem gewährleisten. Das Sportangebot der Vereine und Verbände muss auf eine bewegungs- und körperorientierte Entwicklung der Persönlichkeit abzielen und der physischen, psychischen und sozialen Gesundheit dienen. Auf der Grundlage dieser Kriterien kann ich, wie auch der DOSB, eSport nicht als Sport definieren, es fehlt die eigenmotorische Leistung.

 

Warum sind für mich vor allem die Kriterien des DOSB entscheidend? Die Autonomie des Sports ist für mich ein hohes Gut. Es kann zudem nicht die Aufgabe der Politik sein zu bestimmen, was Sport ist und was nicht. Geht es um eine gesellschaftliche Anerkennung von eSport, dann zeigt das große öffentliche Interesse, dass diese längst gegeben ist. Einen Parlamentsbeschluss braucht es dafür nicht.

 

Einer der Gründe, warum es immer wieder Bemühungen gibt, eSport als Sport anerkennen zu lassen, liegt in der Gemeinnützigkeit des Sports. Das ehrenamtliche Engagement in unseren Sportvereinen leistet einen sehr wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft. Sportvereine leisten wertvolle Jugendarbeit, helfen dabei Migranten zu integrieren und schaffen ein stabiles soziales Umfeld. Zu Recht werden daher unsere Vereine steuerlich entlastet. Die Gemeinnützigkeit des Sports erwächst aus genau dieser Vereinsarbeit ehrenamtlicher Trainer und Betreuer vor Ort. Diese Vereinsstruktur und Vereinskultur liegt im eSport aktuell nicht vor. So kommt auch ein - ausgerechnet von der Piratenpartei Berlin - angefragtes Gutachten des Wissenschaftlichen Parlamentsdienstes des Berliner Abgeordnetenhauses über die Voraussetzungen und Auswirkungen der Anerkennung von eSport als Sportart zu dem Ergebnis, dass eSport nach derzeitiger Rechtslage nicht als Sport im rechtlichen Sinne anzusehen und deshalb auch rechtlich nicht als Sportart anerkennungsfähig sei.

 

Aus diesen Gründen können wir Freie Demokraten dem Ansinnen der Piratenpartei aktuell nicht folgen. Trotzdem gehe ich davon aus, dass uns das Thema auch in Zukunft begleiten wird. Die fortschreitende Digitalisierung wird nicht nur den Sport, sondern auch den eSport verändern. Abschließend möchte ich natürlich noch die Ausgangsfrage beantworten. Warum ist Schach ein Sport? Es handelt sich um einen historischen Einzelfall.